Hochwertige Blumenerde – eine Wissenschaft für sich

Blumenerde gehört zu den beliebtesten gärtnerischen Zubehörartikeln – doch was zeichnet ein gutes Pflanzsubstrat eigentlich aus? Und muss Qualität zwangsläufig teurer sein?

Gute Blumenerde ist strukturstabil
Sie bietet den Pflanzenwurzeln sicheren Halt, ohne zusammenzusacken oder zu verdichten – und zwar mindestens einige Monate lang, auch wenn sich die Substrate je nach Zusammensetzung deutlich unterscheiden. Torf und Kokos beispielsweise sind äußerst strukturstabil, weshalb eine Zimmerpflanzenerde mit hohem Torf- oder Kokosanteil auch nach mehreren Jahren im Topf kaum an Volumen eingebüßt hat. Hochbeeterden hingegen sacken innerhalb einer Saison erheblich nach, weil Mikroorganismen den in hohen Anteilen enthaltenen Kompost und Rindenhumus zersetzen. Dabei werden Nährstoffe und Wärme frei – einer der großen Vorteile vom Hochbeetgärtnern und somit ein erwünschter „Makel“.

Gute Blumenerde speichert ausreichend viel Wasser
Aber auch nicht zu viel, denn bei Staunässe (sozusagen dauerhaft nassen Füßen) würden die zarten Pflanzenwurzeln faulen. Um sowohl die Durchlüftung als auch die Wasserversorgung zu gewährleisten, muss das Pflanzsubstrat ein günstiges Verhältnis zwischen feinen und groben, wasserspeichernden und substratauflockernden Bestandteilen aufweisen. Ebenfalls wichtig: Falls sie einmal ausgetrocknet ist, soll sich die Erde gut wieder durchfeuchten lassen.

Gute Blumenerde versorgt die Pflanzen optimal mit Nährstoffen
Sie muss also ausreichend Nährstoffe speichern, damit diese nicht beim nächsten Gießen ausgewaschen werden, muss sie bei Bedarf aber auch wieder an die Pflanzen abgeben. Letzteres ist keine Selbstverständlichkeit, denn es hängt vom pH-Wert des Substrats ab, welche Nährstoffe leicht wieder pflanzenverfügbar sind. Gut zu wissen: Die meisten Blumenerden sind bereits „aufgedüngt“. Sie enthalten also beispielsweise Langzeitdünger in Form kleiner Kügelchen, die in Abhängigkeit von Temperatur und Bodenfeuchte Nährstoffe freisetzen. Auf diese Weise können Verbraucher in den ersten Wochen nach dem Eintopfen auf zusätzliches Düngen verzichten. Substrate auf Basis von Kompost und/oder Rindenhumus setzen zudem über einen längeren Zeitraum Nährstoffe frei. Wann und wie nachgedüngt werden sollte, ist auf der Verpackung der jeweiligen Blumenerde angegeben.

Welche Erde für welchen Zweck?
Um alle Anforderungen möglichst optimal zu erfüllen und darüber hinaus noch Zusatzaspekte wie Torffreiheit oder ein geringes Transportgewicht berücksichtigen zu können, ist echtes Fachwissen vonnöten. Neben Ausgangsstoffen wie Torf, Kompost, Holzfasern, Kokos und Rindenhumus kommen in kleineren Mengenanteilen Zuschlagstoffe zum Einsatz – zum Beispiel Ton für ein besseres Nährstoff- und Wasserspeichervermögen, Perlit (ein durch Hitzeeinwirkung aufgeblähtes Vulkangestein) für eine bessere Durchlüftung.

Natürlich darf auch eine Portion mineralischer oder organischer Dünger – zum Beispiel Hornspäne, Hornmehl, Schafwolle, Guano oder der aus der Maisverarbeitung stammende Phytogrieß – nicht fehlen.
Aus diesen Ausgangs- und Zuschlagstoffen entwickeln die Substrathersteller viele unterschiedliche „Rezepte“ für Substratmischungen – immer mit Blick auf die jeweilige Pflanzengattung (z.B. „Tomatenerde“, „Rhododendronerde“) oder auf eine Gruppe von Pflanzen mit ähnlichen Ansprüchen (z.B. „Balkonpflanzenerde“, „Grünpflanzenerde“).

Kaufentscheidung: billig oder teuer?
Dass Spezialerden teurer sind als Substrate für eine allgemeinere Verwendung mag noch einleuchten. Aber woraus ergeben sich die teils deutlichen Preisunterschiede zwischen Substraten für dasselbe Einsatzgebiet? Das kann zum einen an der Herkunft der Rohstoffe liegen – Rindenhumus aus der Region etwa kann trotz kürzerer Transportwege teurer sein als Material aus dem Ausland. Vor allem aber gehen Preisunterschiede auf eine höhere Qualität der Ausgangsstoffe und auf die Kosten der Qualitätskontrolle zurück.
Gute Blumenerde sollte möglichst keine keimfähigen Unkrautsamen enthalten. Um das zu gewährleisten, müssen aber im Fall von Kompost ausreichend hohe Temperaturen beim Kompostierungsprozess erreicht werden und Torf muss gegebenenfalls gedämpft werden. Im Substrat ebenso unerwünscht sind Krankheitserreger, Schwermetalle, Insektizide oder pflanzenschädigende Stoffe – beispielsweise Phenole, die von zu wenig abgelagerten Rindenprodukten freigesetzt werden.

Verbrauchertipp: Blumenerden mit RAL-Gütezeichen
Die Gütegemeinschaft Substrate für Pflanzen e.V. (GGS) empfiehlt Hobbygärtnern, Blumenerden mit dem RAL-Gütezeichen zu verwenden, um negative Überraschungen zu vermeiden. Gütegesicherte Substrate werden von anerkannten, unabhängigen Laboren auf ihre Substrateigenschaften kontrolliert. Sie dürfen lediglich minimale Abweichungen im pH-Wert und in den Nährstoffgehalten aufweisen und müssen strukturstabil und nachweislich frei von Unkrautsamen und pflanzenschädigenden Stoffen sein. Die etwas höheren Kosten RAL-gesicherter Blumenerden sind somit eine Investition in Pflanzenfreude ohne Beeinträchtigungen. Eine Investition, die sich lohnt.